Indianerleben

Familienleben der Indianer

 

 

Wie für uns, so war auch für die Indianer in allen Kulturarealen das Familienleben wichtig. Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind hatten verschiedene Aufgaben. Trotz der unterschiedlichen Aufgaben arbeiteten alle zusammen. Durch die Zusammenarbeit wurden die Lebensvoraussetzungen der ganzen Familien und wie auch des Stammes geschaffen. Dabei arbeiteten nicht nur Mann, Frau und Kind zusammen, sondern auch Verwandte wie Tante, Onkel und Großeltern.

Kleinere Kinder lernten, indem sie den Eltern und älteren Geschwistern bei den anfallenden Arbeiten halfen oder einfach durch Zuschauen bzw. durch Zuhören, wenn Verwandte Sagen oder Märchen erzählten. Sie lernten aber auch beim Spielen. Spielzeug gab es mit dem die Kinder das Leben der Erwachsenen nachspielten, sie konnten mit Pfeil und Bogen sich für das spätere Leben, was die Jagd und den Krieg betraf, vorbereiten. Aber auch Puppen, Zelte in Miniaturgröße, mit denen sie das Aufstellen der Tipis lernen konnten. Was Indianerkinder ganz besonders gerne machten, waren sportliche Wettbewerbe, wo sie ihre gelernten Fähigkeiten beim Reiten, im Wettrennen oder auch beim Pfeil und Bogen schießen unter Beweis stellen konnten. Die Kinder der Prärie-Indianer lernten das Reiten sobald sie Sitzen konnten und wo Wasser vorhanden war, wurden sie im Schwimmen unterwiesen. Geschwommen wurde dann jeden Tag und zu jeder Jahreszeit. Sobald die Mädchen und Jungen erwachsen wurden, waren sie für das Erwachsenenleben auf das Beste vorbereitet.

Der Übergang vom Kind zum Erwachsenen wurde bei vielen Stämmen mit bestimmten Zeremonien gefeiert. Die Mädchen mußten ihre Fertigkeiten im Haushalt der Mutter unter Beweis stellen. Die Jungen wurden bei einigen Stämmen in die Wildnis ausgesetzt ohne Essen und Trinken. Hier mußten sie ihre psychischen und körperlichen Fähigkeiten beweisen. Bei dieser Prüfung bekam auch oft der junge Krieger seinen zukünftigen Namen.

Da Indianer sehr jung heirateten, kam nun die Brautwerbung. Bei der Wahl seiner zukünftigen Frau konnte der junge Mann sich mit entscheiden. War die Wahl getroffen, versuchten beide Partner die Familie ihre(s/r) Angebeteten für sich einzunehmen. Die junge Frau zeigte vor dem Zelt ihre Fähigkeiten, der junge Mann überhäufte die Familie der jungen Frau mit Geschenken oder sang ein Liebeslied. Wenn die Familien mit den Geschenken einverstanden bzw. die Familie des jungen Mannes mit den Fähigkeiten der jungen Frau zufrieden, wurde die Ehe geschlossen. Die Eheleute zogen meist zur Familie der Frau oder zumindest in die Nähe ihrer Familie. Der Ehemann mußte die Schwiegermutter voller Respekt behandeln. Bei manchen Stämmen durfte der Mann die Schwiegermutter nicht ansehen und auch nicht ansprechen - es herrschte absolutes Schwiegermutter-Tabu. Zu seiner Familie hielt er weiterhin Kontakt. Die Kinder des Paares gehörten zur Familie der Frau. Die Frau machte die gesamte Hausarbeit, wie Ackerbau, Kochen, Nähen, Instandhaltung des Hauses wie auch das Sammeln von Essbaren und Holz für das Lagerfeuer. Der Mann ging auf die Jagd oder zog in den Krieg. Wenn das erste Kind zur Welt kam, verließ das junge Paar die Familie der Frau oder sie blieben und nahmen die Hilfe der Familie in Anspruch.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Familie war sehr eng. Dies war auch in Gegenden, wo es nur wenig Nahrung gab, sehr wichtig. Schwestern, Brüder, Onkel und Tanten, Cousins und Großeltern teilten sich die täglichen Aufgaben auf. Eine solche Großfamilie nennt man Clan. Die Haustypen waren vom Material, vom Klima und von der Art ihrer Lebensweise abhängig. Leicht auf- bzw. abbaubare Konstruktionen verwendeten Jäger und Sammler, deren Jagdeigenschaften sich nach der Wanderung der Tiere richtete. Bauern verwendeten als Behausung größere und stabilere Häuser aus Holz, Lehm, Stein oder Erde.
Lagerfeuer, das zugleich die Behausung erwärmte und Kochstelle war, bildete die Grundlage der Ernährung. Was im Topf war, war von der Gegend, in der ein Stamm wohnte, abhängig. Manche Stämme aßen vorwiegend Fleisch und Fisch, andere ernährten sich von Mais, Bohnen und Kürbissen und nur gelegentlich von Fleisch. Die Kochstelle hatte auch unterschiedliche Formen, entweder wurde über offenen Feuer gekocht, im Haus oder im Freien. Manche Stämme verwendeten backofenähnliche Kochstellen oder auch Gruben. Fleisch wie auch Gemüse wurde getrocknet und für nahrungsmittelarme Zeiten aufbewahrt. Die Indianer trugen die unterschiedlichsten Sachen. Diese war abhängig von der Gegend in der sie wohnten, vom Material, welches sie für die Kleidung verwendeten und vom Klima. Die Stämme fertigten Alltagskleidung und Kleidung für festliche Anlässe, die beonders reich verziert war. Benutzt für die Kleidung wurde Hirsch- und Gazellenleder sowie Pelze. Federn ergänzten die Kleidung. Aus Baumrinde wurden Umhänge sowie rockähnliche Kleidungsstücke, Sandalen und Hüte angefertigt. Wurde es kälter, trug man mehrere Schichten übereinander.


 

 

 

Alte und Greise

Die Indianer hingegen verehrten alte Menschen wegen ihrer Lebenserfahrung. Deshalb gab es im Stamm einen sogenannten Ältestenrat. Er setzte sich aus alten und weisen Männern, tapferen Kriegern aber auch angesehenen Frauen zusammen. Dieser Rat bestimmte, wann - so zumindest bei Prärie-Stämmen - die Bisonjagd begann, ob der Stamm den Kriegspfad betreten sollte, wer Häuptling wurde, organisierte die Arbeit aller Familienangehörigen, auch die der Frauen und Kinder, indem sie Felder, Feldfrüchte und jahreszeitliche Aufgaben zugeteilt bekamen. Wichtiger als der Häuptling war dieser Ältestenrat - er hatte das Sagen, der Häuptling gab nur die Anordnungen weiter, die zuvor der Rat getroffen hatte. Kein Indianer hatte absolute Herrschergewalt über seine Stammesgenossen. Der Ältestenrat leitete das Dorf oder das Lager - er traf die Mehrzahl der Entscheidungen.

Die Jüngeren fragten die Älteren auch um Rat. Derartige Gespräche waren fester Bestandteil im Leben der nordamerikanischen Indianer. Meist ging es dabei um das Land, um jahreszeitliche Veränderungen, die Gewohnheiten der Tiere wie auch um Standorte nützlicher Pflanzen. Das Wissen der Älteren war wichtig für die Gemeinschaft - für das Überleben des ganzen Stammes, weshalb Alte ein hohes Ansehen besaßen.

Die Geschichten, die die Älteren erzählten, hatten meist mehrere Funktionen. Die jüngeren Generationen lernten die Techniken des Jagens, des Reisens und des Überlebens und erhielten damit Erfahrungen der Vergangenheit für die Zukunft. Auch machten die Großeltern die Enkel mit den Traditionen und der Geschichte des Stammes vertraut - Sagen, Märchen und Schöpfumgsmythen wurden mündlich weitergegeben, aber auch die Gesänge und Tänze des Stammes brachten sie den Jüngeren bei.

Alten und weisen Frauen wurde im gleichen Umfang Achtung - ja sogar Ehrfurcht - zuteil, da sie Kräuter und Heilpflanzen kannten, mit denen Kranke behandelt, geheilt oder Gebrechen zumindest gelindert werden konnten.

Aber auch der Großvater galt viel, die Eltern noch mehr - am meisten jedoch die Mutter. So zumindest war die Rangordnung der Personen in einem Haushalt der Irokesen.

Es schickte sich nicht alte Menschen als Jüngerer zuerst anzusprechen. Dies ist auch eine Verhaltensweise gegenüber älteren Menschen - Greisen Achtung entgegen zu bringen.

Bei den Crao - einem südamerikanischen Stamm - wurde ab einem bestimmten Alter ein Stammesangehöriger in den Rat der Ältesten aufgenommen. Mittelamerikanische wie auch nordamerikanische Stämme waren und sind es heute zum Teil noch in Clans eingeteilt. Der Clanvorsteher und der Ältestenrat regeln die Angelegenheiten der Dorfgemeinschaft.

Das ganze Streben der Indianer, der Stämme bestand darin, der Gemeinschaft zu dienen, damit es jedem einzelnen gut ging.

Die Frage wie die Alten gelebt haben, ist einfach zu beantworten. Genauso wie die übrigen Stammesangehörigen. Wenn sie nicht mehr in der Lage waren sich selbst zu versorgen, übernahm dies der Stamm, die Sippe oder die Familie.

Alte gebrechliche Menschen - dies trifft vor allem bei Prärie-Indianern zu - blieben bei Wanderungen allein zurück, um zu sterben. Nicht die Gesellschaft wollte sich ihrer entledigen, sondern die Alten wählten den Zeitpunkt ihres Todes bei klarem Verstand. Entscheidend war für sie ihr geistiger und körperlicher Gesamtzustand. Angehörige von Naturvölkern wußten, wann der Zeitpunkt gekommen war, in die ewigen Jagdgründe - bei indianischen Völkern - zu gehen.